Wir waren zwei Tage in Tahiti,
einem anderen der Orte, die in unseren Erwartungen paradiesische Züge trugen:
Palmen, Sand und Meer, lächelnde Menschen in bunten Gewändern und Blumen im
Haar. Wie es sich herausstellte, war das alles auch tatsächlich so, dennoch
waren wir ein bisschen – nicht enttäuscht – eher ernüchtert. Dieses Paradies
ist zu bekannt. Mit den heutigen Transportmöglichkeiten ist es leicht zu
erreichen. So leben nicht nur recht viele Menschen hier (fast 200.000), die
Zahl der
Besucher ist sogar noch höher. Unser Schiff lag an einem Pier in der
Mitte von Papeete, der größten Stadt auf der Insel. Um ins Zentrum zu kommen,
musste man nur eine vierspurige (!) Straße überqueren, aber auf dieser Straße
gab es permanent Staus.
Wir hatten die Wettervorhersage
gesehen, für Donnerstag hieß es: morgens schön, nachmittags zum Teil heftige Regenfälle,
und noch mehr davon am Freitag. Also war das erste, was wir am Donnerstag unternahmen,
uns zusammen mit ein paar anderen Mitreisenden auf eine private Tour rund um
die Insel zu begeben. Und zwar in
einem Pick-up, der von einer polynesischen
Großmutter (sehr gut) gefahren wurde. Wir
saßen zu sechst hinten, drei Deutsche und drei Franzosen, deren Deutsch sehr
gut war. Michael, der siebte Passagier, durfte vorne neben der Fahrerin Platz
nehmen. Und los ging es, raus aus Papeete, was schon mal ganz schön lange
dauerte (wegen des Verkehrs!) und dann der 120 km langen Küstenstraße folgend,
die die Hauptstraße der Insel ist. Der innere Teil der Insel ist so steil und
zerklüftet (vulkanisches Gestein), dass dort kaum jemand wohnt. So spielen
sich
das gesamte Leben und der gesamte Verkehr entlang dieser Küstenstraße ab.
Während unserer Fahrt hielt
unsere Fahrerin überall dort an, wo es etwas zu sehen gab, und wir hatten genug
Zeit zu schauen und auch noch Fotos zu machen. Aber wir hatten kaum je das
Gefühl, uns in der freien Landschaft zu bewegen, weil wir durch endlose bebaute
Gebiete fuhren. Vielleicht was das der Grund, warum wir schließlich dachten, um
das Paradies zu entdecken, hätten wir vielleicht vor 100 Jahren kommen sollen.
Oder noch besser, ehe noch die ersten Europäer sich auf der Insel ausbreiteten.
Denn insbesondere Britische Anglikanische Missionare unternahmen alles, um die
lokale Kultur auszurotten. Für mehr als ein Jahrhundert waren sie die
eigentlichen Machthaber auf der Insel und wurden von den Einheimischen
gefürchtet, wegen ihrer drakonischen Strafen für Verhaltensweisen, die die
Einheimischen für traditionell und richtig hielten. Zum Schluss war es
Frankreich (und damit die römisch-katholische Kirche), die die Oberhand auf den
Gesellschaftsinseln behielt und heute ist Französisch-Polynesien das einzige
französische Überseegebiet (alle anderen sind voll integrierte französische Departements.
Auf unserer Tour um die Insel
herum besuchten wir den Venus Point, wo Cook 1769 astronomische Beobachtungen anstellte,
bei einem Venusdurchgang vor der Sonne; wir hielten an verschiedenen Stränden
an und bewunderten die Surfer; wir besuchten botanische Gärten, einen Wasserfall,
eine Grotte, in der sich Wasser sammelte und verschiedene andere
Aussichtspunkte. Wie vorhergesagt,
kamen wir auf unserer Fahrt in einige
heftige Regenfälle, aber ich glaube, wir alle haben den Tag sehr genossen.
Am Morgen des zweiten Tags in
Papeete mussten wir leider feststellen, dass die Erkältungen, mit denen wir
jetzt schon seit Wochen kämpfen, noch nicht überwunden sind. Die Symptome
kommen in Wellen, und wir haben manchmal das Gefühl, dass, wenn wir gerade mit
einem Virus fertig geworden sind, der nächste sich unsere relativ geschwächten
Abwehrkräfte zu nutzen macht, um auch einmal zuzuschlagen. Also war der erste
Halt auf unserer Tour durch die Innenstadt Papeetes erst einmal bei einer
Apotheke, wo wir gut beraten und bepackt wieder rauskamen. Wir kamen an dem
Sitz des Bürgermeisters von Papeete vorbei. Dieses war früher der Palast, den
die Briten der letzten Königin von Tahiti gebaut hatten, als Trost für den
Verlust ihrer Macht. Und natürlich besuchten wir eine der Hauptattraktionen der
Stadt, nämlich die Markthallen von Papeete. Es handelt sich dabei um ein
zweistöckiges Gebäude. Im Erdgeschoß werden
Lebensmittel, Obst, Blumen,
Fleisch, Fisch etc. verkauft. Im ersten Stock sind dann die Läden, die eher für
Touristen interessant sind, Souvenirs, Perlen, Textilien etc. Wir trugen zu
Tahitis Wohlstand im ersten Stock bei, denn ich kaufte ein wunderschönes
bläuliches langes Kleid, auf dem „Tahiti“ steht, damit ich nicht vergesse, wo
ich das gekauft habe.
Am Abend hatten wir eine
Einladung, am Kapitänstisch zu speisen. Michael fühlte sich zu krank, um daran
teilzunehmen, aber ich war neugierig, was an einem Kapitänstisch passiert, also
ging ich alleine. Und es war so eine gute Gelegenheit, mein neues Kleid
auszuführen. Ich fühlte mich sehr polynesisch, d.h. sehr schön (ich weiß,
Eigenlob stinkt!).
Aber jetzt komme ich zum ernsten
Teil des heutigen Blogs: Der Coronavirus hat uns noch nicht erreicht, die Angst
davor jedoch schon. Donnerstagabend sollte eine lokale Folkloregruppe an Bord
auftreten. Minuten, bevor die Show losgehen sollte, kam der Befehl von der obersten
Zentrale unserer Schifffahrtsgesellschaft, dass keine lokalen Besucher mehr an
Bord gelassen werden
dürfen. So wurden wir alle weggeschickt: die freundlichen
Tahitianer wurden in einen Aufzug gepfercht und einen Korridor hinunter
begleitet, beides wurde unmittelbar hinter ihnen desinfiziert, und das Publikum
wurde weggeschickt … „Danke für Ihr Verständnis!“.
Aber das ist noch nicht alles.
Morgen, nach einem Tag auf See, werden wir in Rarotonga landen, diese Insel
gehört zu den Cookinseln. Am Montag sollten wir dann in
Aitutaki, einer anderen
Cookinsel, ankommen. Heute hat uns der Kapitän mitgeteilt, dass Aitutaki für
alle Kreuzfahrtschiffe gesperrt ist, und dass wir deshalb zwei Tage in Rarotonga
bleiben werden. Das ist an sich nicht so schlimm, aber wir fürchten, dass das
nur der Anfang ist, und dass wir bald herausfinden werden, wo überall sonst wir
auch nicht an Land gehen dürfen. Weiterhin ist es so, dass unser Schiff
keinerlei Gefährdung durch den Virus ausgesetzt war und ist, aber diese Regeln
gelten eben allgemein und unser kleines Beispiel spielt dabei überhaupt keine
Rolle.
----------
We had two days in Tahiti, another place which before
we arrived had filled our phantasy with pictures of paradise, palms, sand and
sea and smiling people in colourful clothing and flowers in their hair. It
turned out that all this is true, and still we were a bit – not disappointed –
perhaps sobered. This paradise is known to many people, today with modern
transport it is not difficult to reach it, and thus not only many people live
here (nearly 200,000), even more come for a holiday. Our ship lay at a pier
right in the middle of Papeete, the main town of the
island. There were only a
few steps to the centre of town, all you had to do was to cross a four-lane (!)
street, but this street was in permanent
rush-hour mode. We had checked the weather report before and had learnt that
Thursday morning would be fine, there would be showers in the afternoon and
even more showers on Friday. So the first thing, we did, when going ashore on
Thursday, was to join a handful of co-passengers on a private trip around the
island on the back of a pick-up. Well, we were six in the back, three Germans
and three French people whose German was excellent. Michael, the seventh passenger,
was allowed to join the lady-driver in the cabin. And off we went, out of
Papeete, which took quite a while (traffic!) and on a 120 km long turn once
around the island on a road which is the only main road on the island. The
inner part of the island is so steep and ragged (it is volcanic after all) that
hardly anybody lives there, so all the population and the visitors live and move
along the coastal strip.
During our ride our lady-driver stopped
whenever something was worth stopping for and allowed us some time and some
pictures. But we hardly ever had the feeling that we were out in the “country-side”,
because we were driving through endless populated areas. Which was perhaps the
point when we thought, to find the original paradise, we should have been here
100 years ago. Or even better before the first Europeans ever set foot on the
islands, because we learnt that especially British Anglican missionaries did
their utmost to destroy the local culture. They, those missionaries, were the
real rulers for about a century and the Tahitians feared them for their harsh
punishments for all the habits they thought were traditional and normal. Eventually
France (and Roman Catholicism) was established as the protective power over
Tahiti and today the islands of French Polynesia are the only overseas country
of France (others are fully integrated Departments of France).
On our tour around the island we visited Venus
point, where Cook in 1769 made astronomical observations during the passing of
Venus in front of the Sun; we stopped at different beaches to watch a bit of
the surfing; we visited botanical gardens, a waterfall; a water filled cave and
different viewpoints. As predicted we had some heavy rain showers while being
on the road, but we enjoyed the day enormously.
On the morning of our second day in Papeete, it
turned out that neither Michael nor I were really over that cold which has
bothered us now for so long. It seems to come in waves, and we sometimes think
that when we are just over one kind of virus, there comes another one and now
that our resistance is fairly weakened, takes hold of us quite quickly. So the
first stop on our tour through Papeete was a pharmacy, where we were helped
very kindly with a number of different remedies for all kind of coughs and
sneezes. We saw the town hall of Papeete, which was built as a palace for the
last queen of Tahiti, when she handed over her power to the British. And of
course we went to the main attraction of the town, which is the Papeete Market.
It is a two-storey building: On the ground floor they sell foods, fruits,
flowers, fishes, meat etc. On the first floor it is more souvenirs for the
tourists. Our shopping happened on the second floor where I found a beautiful
blueish long dress with the name Tahiti on it so that I remember where I bought
it.
In the evening we had an invitation to dine on
the Captain’s table. Michael felt too ill to go, but I was curious, so I went.
And it was such a good occasion to show off my new dress. I looked quite Polynesians
(i.e. beautiful), even if I say so myself.
But now to the serious part of today’s blog:
The Coronavirus has not reached us yet, but the fear of the virus has reached
us. Thursday night in Tahiti a local folklore group was invited to perform on
the ship. Minutes before the show could start, order came from the central
administration of the cruise line, that no outside visitors are allowed on the
ship. So we all were sent away, the lovely Tahitian people were herded into one
lift and along one corridor and everything was disinfected after them, and the
audience was sent away … “Thank you for your understanding!”.
But that is not all. Tomorrow, after a day at
sea, we will land in Rarotonga, which belongs to the Cook Islands. And a day
later we were supposed to land in Aitutaki, another of the Cook Islands. Today
the Captain informed us that Aitutaki has banned all cruise ships and so we
will stay in Rarotonga for two days. That in itself would not be so bad, but we
now are really afraid that this is only the beginning and that soon we will
find out, who else is not allowing us ashore. Still there is nothing on our ship
connecting us the virus, but those rules are general rules, and our special
case is of no importance.